Kritische Diskursanalyse: Clever & Smart

Ibáñez, Francisco (1972): Clever & Smart in geheimer Mission. „Ein Unglücksrabe ist dieser Knabe!“, Nr. 80, Bad Vilbel: Condor

Durch Zufall bin ich vor Kurzem auf eine alte Ausgabe von Clever & Smart gestoßen. Natürlich habe ich mir diese umgehend zu Gemüte geführt, musste aber bald feststellen, dass dasjenige, was dort diskursiv transportiert wird, mehr als nur ein wenig problematisch ist. Im Weiteren werde ich anhand von 3 Punkten Kritik an Ibáñez’ Comic äußern. Die Kategorien sind:

1. Weibliche Verhaltensmuster: Kreischen, Keifen, Hysterie
2. Rollenverteilung und „typische“ Frauenbeschäftigung
3. Rassismus: Primitivheit der „Naturvölker“


Weibliche Verhaltensmuster: Kreischen, Keifen, Hysterie


Ibáñez lässt in seinem Comic verschiedene Frauen auftreten, die so verschieden dann doch nicht sind. Neben der Tatsache, dass die Frauen fast ausnahmslos blond (blond = blöd?) gezeichnet sind, während alle Männer (sofern sie denn Haare haben) dunkelhaarig sind, fällt vor allem das gleiche transportierte Verhalten der Frauen auf. Sie kreischen, keifen und sind hysterisch. Damit verfestigt der Zeichner alte zugeschriebene Geschlechterverhaltensmuster. Vor allem das Klischee der hysterischen (von gr. „hystera“ – „Gebärmutter“) Frau sei nocheinmal besonders kritisiert (Kritik am Begriff der Hysterie hier und hier)

Rollenverteilung und „typische“ Frauenbeschäftigung



Durch das gesamte Comic zieht sich eine typisch zweigeschlechtliche Rollenverteilung. Insgesamt treten 7 Frauen auf, wovon drei Sekretärinnen sind. Die anderen Berufe sind mit je einer Vertreterin: Putzfrau, Haushälterin, Schauspielerin und Stewardess.
Die Männer hingegen treten zum einen in viel größerer Zahl auf und teilen sich zum anderen weniger gemeinsame Berufe. Und sollte sollte doch einmal ein nicht-männlich konnotierter Beruf dabei sein (natürlich aus Ermangelung von Personal), so wird dieser natürlich in der Bezeichnung als weiblich dargestellt (Bild1 – symptomatisch neben „dem Klemptner).
Vor allem die bereits erwähnten Sekretärinnen werden mit identischen Beschäftigungen dargestellt. So werden fernab jeglicher Relation auf insgesamt 10(!) Bildern Frauen beim Schminken und „sich hübsch machen“ gezeigt. Die Bewertung dessen zeigt der Zeichner relativ deutlich. Entweder es wird (im doppelten Sinne) so überzeichnet, dass es lächerlich wirkt (Bild2 & 4) oder es störe bei der Arbeit (Bild3).
Es dürfte wohl nicht zu weit gehen, Francisco Ibáñez ein sehr eindimensionales und negatives Frauenbild zu unterstellen (ums mal äußerst diplomatisch zu formulieren).

Rassismus: Primitivheit der „Naturvölker“


Im Comic kommen zwei stereotyp nicht-weiße „Naturvölker“ vor: zum einen ein nordamerikanischer Indianerstamm, zum anderen eine scheinbar aus Subsahara-Afrika stammende Delegation. Von beiden „Völkern“ werden jeweils nur Männer gezeigt. Die Indianer treten naturverbunden und in Tipis lebend auf. Als Reaktion auf eine Augenverletzung eines Stammesmitgliedes führt der Medizinmann einen „Genesungstanz“ mit den Lauten „Huahua! Eiapopeia! Rambazamba“ Hoppeldihopp! Juchee!“ auf – eine Darstellung die medizinische Fähigkeiten der Indianer gleich null erscheinen lässt. (Bild1)
Noch rassistischer wird aber der „afrikanische Stamm“ (nicht näher bezeichnet) dargestellt. Die Mitglieder werden sterotyp mit riesigen Lippen, aggressiven Blicken, Knochen in den (Krause-)Haaren und mit Holzspeeren gezeichnet (Bild2). Es dürfte wohl kaum möglich sein, Bewohner_innen der Subsahara noch klischeehafter und primitiver erscheinen zu lassen, zumal ihnen auf dem gezeigten Ausschnitt nicht einmal mehr als Bildsprache zugestanden wird. Abgerundet wird die angebliche Unterentwickeltheit durch die Tatsache, dass die später erfolgende Kriegserklärung „dem Kabinett […] vorgetrommelt“ wurde (Bild3). Dem ist nun wirklich nichts mehr hinzuzufügen.

Zu guter Letzt:
Ein Bild hat sich mir quasi als Fazit aufgedrängt: Ibáñez’ Hauptprotagonisten, die von einer vermeintlichen Feministin mit einer überdimensionalen Schere verfolgt werden. Es sei dem Autor gewunschen und vergönnt, selbst einmal in diese Situation zu gelangen. ;)


5 Antworten auf “Kritische Diskursanalyse: Clever & Smart”


  1. 1 lea 01. Juli 2008 um 11:51 Uhr

    Ach, immer dieses Auseinandernehmen geliebter Kindheitserinnerungen.
    Is aber trotzdem spannend und wichtig. Wenn du Lust auf mehr hast, führ dir doch mal „Tim und Struppi im Kongo“ zu Gemüte, oder die ideologiekritische Betrachtung von TKKG . Auch bei den Schlümpfen soll einiges herauszuholen sein.

  2. 2 Administrator 01. Juli 2008 um 14:40 Uhr

    Nanana, liebe_r lea,
    das mit den Kindheitserinnerungen will ich überhöhrt haben, Jahrgang 1972 ist dann doch noch ein ganz schönes Stückchen vor meiner Geburt. ;)
    Und so groß auseinandergenommen hab ichs ja dann wieder nicht.

    Und bei den Schlümpfen gibts ja die wüstesten Theorien. Von alles Nazis und Antisemit_innen (Gargamel mit Hakennase, der böse Kater Azrael und die „arische“ Schlumpfine) hin zu alles Kommunist_innen (Papa Schlumpf als Marx, Schlaubischlumpf als Trotzki, alle leben erwerbsarbeit- und tauschlos). Zu letzterem gibts auch nen netten Artikel in einer alten Streifzüge-Ausgabe. Der war ganz nett aufgemacht. ;)

  3. 3 lea 02. Juli 2008 um 10:57 Uhr

    Nur das wir uns verstehen: Clever und Smart ist eine meiner geliebten Kindheitserinnerungen, auch wenn das ca. 20-25 Jahre nach 1972 war.
    Dass die Schlümpfe alle KommunistInnen sein sollen leuchtet mir gar nicht ein. Papa Schlumpf als Marx?? Der is doch lediglich Schlumpfenführer. Außerdem führt die Aufhebung von Erwerbsarbeit und Tausch nicht zwangsläufig zum Communismus, wie bei den Schlümpfen zu sehen.
    Da kann ich mich doch der Interpretation der Schlümpfe als homogene, naturgewachsene Volksgemeinschaft, die vom bösen hakennasigen Gargamel und seinem fiesen Kater Azrael in ihrem hohen Turm in Gold verwandelt werden sollen, mehr anschließen.

  4. 4 /parole/ 02. Juli 2008 um 13:34 Uhr

    Ich teile ja auch nicht die Ansicht, dass Papa Schlumpf was mit dem ollen Marx gemein hätte. Die Assoziationen beziehen sich bei den Leuten, die das behaupten glaub ich eher auf die Äußerlichkeiten des Rauschebarts, des Alters und der roten Haube. Und Trotzki-Schlumpf wird das Bild wohl deshalb zugeschrieben, weil er permanent nörgelt, für seine Kritisiererei sogar ausgeschlossen wird (ebenso wie Eispickel-Leo) und zudem noch die gleiche doofe Brille trägt wie das Vorbild.
    Das mit Wert und Ware bei den Schlümpfen kommt aus diesem Artikel. Natürlich reichlich einseitig, aber what shalls? ;)
    Bin auch eher der entgegengesetzten Meinung. Dass die Schlümpfe eine autochtone (Volks-)Gemeinschaft sind, die von einem (volks-)fremden buckeligen, schiefnasigen Bösewicht bedroht werden, sollte Alarm genug ausschlagen. Dass Gargamel die Schlümpfe dann noch in Gold umwandeln will, fügt der Figur (die kaum von Judenfiguren aus dem „Stürmer“ zu unterscheiden ist) die Eigenschaft der Raffgier hinzu.
    Natürlich gibt es dann noch Positionen, die in den Schlümpfen eine Comic-Variante des Ku-Klux-Klans sehen, da sie weiße Hauben tragen, Tänze ums Feuer veranstalten und sich gegen des personifizierte Böse (Gargamel und Azrael) wehren.
    Aber das ist m.E. schon mehr Verschwörungstheorie denn fundierte Analyse…

  5. 5 unrast_news 18. August 2009 um 19:58 Uhr

    „Ibáñez’ Hauptprotagonisten, die von einer vermeintlichen Feministin mit einer überdimensionalen Schere verfolgt werden. Es sei dem Autor gewunschen und vergönnt, selbst einmal in diese Situation zu gelangen.“ ;) – Schöne Analyse und dann noch mit Humor. Klasse! Gruss k.m.

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